Besuch der bayerischen Landtagspräsidentin Ilse Aigner im Günter-Stöhr-Gymnasium

Über der Villa Eggenberg war am Mittwochvormittag die Bayernflagge aufgezogen. Was war der Anlass? Die Präsidentin des Bayerischen Landtags, Frau Ilse Aigner, war in der Aula geladener Gast der 10. bis 12. Klassen zum Thema „Demokratie im digitalen Zeitalter“. Die oberste Repräsentantin des Parlamentarismus in Bayern, wie Frau Aigner ihre Aufgabe selbst umschrieb, ging in einem kurzen Statement zuerst auf die weit reichenden Veränderungen bei den politischen Kommunikationswegen ein. Schneller, hektischer sei es geworden. Doch Politik über Twitter-Nachrichten zu betreiben, halte sie für problematisch. Denn diese sozialen Medien ermöglichen nur einen eingeschränkten Blickwinkel: So sei die Gesellschaft der USA extrem gespalten. Der Präsident bediene nur einfache Botschaften. Umso wichtiger seien fundierte Quellen: „Lest Zeitung, informiert euch bei den öffentlich-rechtlichen Sendern“, riet sie den Jugendlichen.

Im bayerischen Landtag sind seit 2018 sechs Parteien vertreten. Es werde hitziger diskutiert, das Präsidium habe vermehrt Rügen aussprechen müssen. Frau Aigner bedauerte sehr die zunehmenden Bedrohungen vor allem für Kommunalpolitiker unter dem Deckmantel der Anonymität. In einer angeregten Podiumsdiskussion über die Zukunft der Demokratie appellierte sie an die 16- bis 18-Jährigen: Lieber mitmachen als passiv sein. „Ich war immer Klassensprecherin, weil ich meinen Schnabel nicht halten konnte“, räumte sie ein. Politik sei überhaupt nicht langweilig; sie schätze daran vor allem die Möglichkeiten der Begegnung und Vielseitigkeit.

Dass Frau Aigner souverän, gut verständlich und ohne Ausflüchte die ersten Fragen aus dem Schülerplenum beantwortete, regte zu vielen weiteren an: Mietendeckel und Vermögenssteuer? Das stehe im Widerspruch zur Marktwirtschaft. Neuverschuldung? Dann lieber die „schwarze Null“, um auch finanziell zukunftsfähig zu bleiben. Klimakatastrophe? Das ist für sie eine Herausforderung, auf die man ohne Ideologie, aber mit einer Technologie-Offenheit reagieren müsse. Wir brauchen ein komplexes, verlässliches System mit Speicherfähigkeit und Parallelstrukturen. Und der Brexit? Leider hat sich bei der Abstimmung die jüngere Generation nicht dafür interessiert…

Nach allen aufgezeigten Herausforderungen machte das musikalische Schlusswort der Schulband (Q 11) wieder Hoffnung auf eine „Wonderful world“. Die Schüler der 10. Klasse konnten das mit der Politikerin in der Cafeteria noch persönlich besprechen.